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Nominierung Mies van der Rohe Award 2003
Ausstellung NDA " Eine Reflexive Moderne"
Anerkennung Deutscher Architekturpreis 2003
Ausstellung AEDES 2004 Architektur + Glaube
Auszeichnung guter Bauten 2004 Arnsberg-Südwestfalen
Architekturpreis NRW 2004
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Die Welt 06/2004
Baukultur in NRW 2005
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Neue Deutsche Architektur, Verlag Hatje Cantz
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Architektur 7/2001
Bauwelt 31/2001
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DAM Jahrbuch 2001
FAZ 29/08/2001
architecture online
DETAIL 06/2001
DBZ 06/2001

Das über der Stadt Meschede gelegene heterogene Bauensemble der Benediktinerabtei Königsmünster entstand im Laufe der letzten 70 Jahre.

Das Haus der Stille und der Einkehr ist wie ein "Schluss-Stein" in die stetig wachsende Klosterstadt eingefügt. Vom Zentrum Meschedes aus gesehen schafft es im Dialog Maßstäblichkeit zum dominierenden Kirchbau der Klosteranlage .

Da wo seit Anbeginn Kloster und Stadt durch eine Freitreppe miteinander verbunden sind, ragen zwei unterschiedlich große Monolithen aus Beton felsengleich aus dem Hang heraus. Bescheidener in Maß und Material tritt das Haus in Zwiesprache mit der Abteikirche. Außenräumlich bildet es Eingang und Ausgang zugleich und vollendet den Kirchplatz - im

Inneren hingegen schafft es Raum für Geist, Körper und Seele. Die Architektur, die durch Einfachheit und Reduktion gekennzeichnet ist, möchte dem Haus der Stille den angemessenen Ausdruck verleihen.

Max Picard schreibt über das Schweigen: 'Das Schweigen ist ein Urphänomen, das heißt: es ist eine primäre Gegebenheit, die sich auf nichts zurückführen lässt...Das Schweigen ragt wie etwas Urzeithaftes in den Lärm der Welt von heute hinein...wie ein lebendes Urtier lagert es da. Noch sieht man den breiten Rücken des Schweigens, aber immer tiefer versinkt das ganze Urtier im allgemeinen Gestrüpp des Lärms von heute. Es ist, als versinke das Urtier allmählich in der Tiefe seines eigenen Schweigens.

Trotzdem erscheint manchmal aller Lärm von heute nur wie Insektengesumm auf dem breiten Rücken des Urtiers, des Schweigens.' Wie jenes Urtier liegt das 'Haus der Stille' auf der Apfelwiese. Monumental aus dem eigenen Sein und doch selbstvergessen in sich versunken. Ein Ort in der Welt - aber nicht von der Welt (vgl. Joh. 17, 9-19).

Die beiden Bauteile, felsengleich, mit einer Schlucht dazwischen, sind zwar auf den ersten Blick erfahrbar, aber erst wenn man drinnen ist, erlebt man die Struktur des Hauses ganz und kann dort dann auch Bausteine der klassischen Klosterarchitektur entdecken: Weg, Kapelle, Zelle und Refektorium. Dabei ging es nicht darum, die historischen Bilder einfach unreflektiert zu übernehmen, sondern um eine Transformation, die der neuen Aufgabe gerecht wurde.

Ein Haus der Einkehr und der spirituellen Suche - in einer Zeit funktionalen Denkens, eines Lebens der Sachzwänge, Fremdbestimmung und des Lärms, des Konsums, des Anspruchdenkens - muss reduziert sein auf das Wesentliche und gleichzeitig der Freiheit der Gedanken Lauf lassen.

- Zeit lassend - Zeit gebend

Das Gebäude besteht aus einer "begehbaren Wand", einem nicht betretbarem "Zwischen-Raum" und dem eigentlichen "Haus der Stille". Die "begehbare Wand" ist ein Wege-Haus, das den Besucher über eine Treppe leitet - nach oben dem Licht entgegen oder - in die Tiefe des Hanges hinein, um letztlich über den Meditationsraum hinaus auf die Obstwiese wieder zum Licht zu gelangen.

Auf dem Weg nach unten befindet sich die Wegekapelle - ein Andachtsraum, introvertiert, von Mauern umschlossen - in den das Licht von oben hereinstürzt. Die Schlucht zwischen dem Wegehaus und dem Haus der Einkehr ist im eigentlichen Sinne nicht betretbar. Zur Überwindung sind Brücken "geschlagen". - "sanfte Schleusen", die das Licht von oben auffangen und weiterleiten.

Von den Brücken aus hat man Ausblicke in das Tal, die Stadt, die Welt. Das fensterlose Wege-Haus schützt das dahinterliegende Haus der Einkehr, welches sich zur Obstwiese orientiert.

In den oberen Geschossen des Haupthauses befinden sich zwanzig Zellen, die zum Wohnen in sich selbst anleiten. Die Zellen mit ihren kargen Wänden, sind auf das Wesentliche reduziert - ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, ein Fenster, welches bis zum Boden reicht und dessen Mittelteil den Blick in die Landschaft schweifen lässt. Apfelbäume, Landschaft, grasende Schafe - sie sind das einzige "Bildangebot".

Abgeschlossen gegen die vom Menschen geschaffene Welt öffnet sich jede Zelle weit und transparent in die Natur hinein. Auf der mittleren Geländeebene entwickelt sich über zwei Brücken das Bild eines Kreuzganges. An ihn gliedern sich die Sprechzellen an. Gleichzeitig ist er Verbindung zwischen der auf dieser Ebene gelegenen Wegekapelle und dem Refektorium.

Alle Räume des Hauses der Stille sind so geordnet, dass sie sich nicht bedrängen. Jeder kann eigen sein. Dennoch sind sie miteinander durch das differenzierte Wegesystem verbunden. Die Einzelteile sind so gefügt, dass sie sich letztlich zu einem ganzheitlichen Bild - dem "Haus der Stille" - vereinen.

Fotos: Keith Collie